Was ist Handtherapie
Die Handtherapie verbindet therapeutisches Wissen über Gelenke, Sehnen, Nerven und Bewegungsabläufe mit einem gezielten Blick auf die Funktionen der Hand im Alltag. Sie ist eine Spezialisierung innerhalb der Ergo- oder Physiotherapie und keine eigene Berufsgruppe. Welche Behandlung möglich ist, hängt unter anderem von der ärztlichen Verordnung und dem konkreten Funktionsbedarf ab. Auch die berufliche Qualifikation der behandelnden Person ist ein wichtiger Teil der Einordnung.
Definition und Spezialisierung
Handtherapie bezeichnet die spezialisierte therapeutische Behandlung von Beschwerden und Funktionseinschränkungen im Bereich der Hand. Zum klinischen Arbeitsgebiet gehören die Finger und der Daumen, die Handfläche, das Handgelenk sowie angrenzende Abschnitte des Unterarms. Diese Strukturen wirken beim Greifen, Halten, Tasten und gezielten Bewegen eng zusammen. Eine Einschränkung an einem Gelenk oder einer Sehne kann daher Tätigkeiten wie das Öffnen eines Verschlusses oder das Schreiben erschweren, auch wenn andere Bereiche der Hand beweglich bleiben.
Die Spezialisierung ist in der Ergotherapie oder der Physiotherapie angesiedelt; sie begründet keine eigenständige Berufszulassung. Ergotherapeutische Arbeit richtet den Blick besonders darauf, wie Handfunktionen bei konkreten Tätigkeiten und im täglichen Leben eingesetzt werden. Physiotherapeutische Arbeit befasst sich häufig stärker mit Bewegung, Beweglichkeit und körperlicher Belastbarkeit. Die Grenzen sind nicht starr: Beide Berufsgruppen können sich auf die Behandlung der Hand spezialisieren und je nach Verordnung sowie beruflicher Kompetenz therapeutische Ziele bearbeiten.
In Deutschland ordnet das Fünfte Buch Sozialgesetzbuch, kurz SGB V, die Versorgung mit Heilmitteln ein. § 32 SGB V regelt den Anspruch gesetzlich Versicherter auf medizinisch notwendige Heilmittel, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Für die konkrete Verordnung gelten die Heilmittel-Richtlinie und der Heilmittelkatalog. Ärztinnen und Ärzte nutzen bei einer ambulanten Heilmittelverordnung grundsätzlich das Formular 13; darauf werden unter anderem Diagnose, verordnetes Heilmittel und Behandlungsumfang festgehalten. Welche Leistung im Einzelfall verordnet werden kann, richtet sich nach diesen Vorgaben und der medizinischen Beurteilung.
Der ICD-10-GM-Code dient der einheitlichen Verschlüsselung einer Diagnose. Er benennt für sich allein weder die individuellen Einschränkungen noch sämtliche Therapieziele. Dafür ergänzt das ICF-Modell der Weltgesundheitsorganisation die Betrachtung um Körperfunktionen und -strukturen, Aktivitäten, Teilhabe und Umweltfaktoren. Bei der Befunderhebung kann deshalb neben der Beweglichkeit auch wichtig sein, welche Handgriffe im Beruf, im Haushalt oder bei der Selbstversorgung tatsächlich gelingen. Die Spezialisierung verbindet somit medizinische Befunde mit konkreten Anforderungen an die Handfunktion.
Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: Der Begriff beschreibt eine fachliche Ausrichtung innerhalb eines anerkannten Grundberufs, nicht einen separaten Heilberuf. Die passende therapeutische Planung orientiert sich an der Verordnung, den festgestellten Funktionsproblemen und den persönlichen Alltagszielen.
Wer führt Handtherapie durch
Handtherapie wird von Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten sowie Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten ausgeübt, die sich zusätzlich auf die Behandlung der Hand spezialisiert haben. Der jeweilige Grundberuf bleibt maßgeblich: Die Berufsqualifikation berechtigt zur ergotherapeutischen oder physiotherapeutischen Tätigkeit, während die Spezialisierung vertiefte Kenntnisse für die Arbeit an Hand und Handgelenk vermittelt. Eine eigene staatliche Berufszulassung als Handtherapeutin oder Handtherapeut gibt es in Deutschland nicht.
Eine zentrale deutsche Fachorganisation ist die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Handtherapie e. V. (DAHTH). Sie engagiert sich für Qualität und fachliche Weiterentwicklung und bietet Qualifizierungswege mit eigenen Zertifizierungen an. Solche DAHTH-Zertifizierungen gelten als relevante Qualitätszeichen für eine vertiefte Spezialisierung in Deutschland. Das Kürzel CHT steht für Certified Hand Therapist und bezeichnet eine Zertifizierung aus den Vereinigten Staaten, die durch die dortige Hand Therapy Certification Commission vergeben wird. Sie stammt aus einem anderen Zertifizierungssystem und ist nicht mit einer deutschen Berufsbezeichnung gleichzusetzen.
Zusatzqualifikationen können Lehrgänge, praktische Erfahrung und Prüfungen umfassen; Umfang und Nachweise unterscheiden sich je nach Anbieter und Zertifizierungsweg. Weil sich fachliche Standards und therapeutisches Wissen weiterentwickeln, gehört regelmäßige Fortbildung zur professionellen Arbeit. Eine einheitliche, gesetzlich festgelegte jährliche Verlängerung einer deutschen Handtherapie-Zertifizierung besteht jedoch nicht. Bei der Orientierung helfen daher zwei konkrete Fragen: Welchen Grundberuf hat die behandelnde Person, und welche belegbare Zusatzqualifikation oder praktische Spezialisierung in der Handtherapie bringt sie mit? Entscheidend ist, dass diese Qualifikation zur verordneten Behandlung und zum individuellen Funktionsziel passt.
Indikationen für Handtherapie
Handtherapie kann sinnvoll sein, wenn Schmerzen, Bewegungseinschränkungen oder veränderte Sensibilität die Nutzung von Fingern und Handgelenk erschweren. Häufig geht es um die Rehabilitation nach einer Operation oder Verletzung, aber auch um anhaltende Folgen chronischer Erkrankungen. Welche Unterstützung gebraucht wird, richtet sich nach dem betroffenen Gewebe, dem Heilungsverlauf und den konkreten Einschränkungen im Alltag. Die folgenden Indikationen zeigen, bei welchen Beschwerden eine gezielte therapeutische Begleitung die Funktionsverbesserung unterstützen kann.
Nach Operationen und Verletzungen
Nach einem Eingriff oder einer Verletzung können Schmerzen, Schwellungen, eingeschränkte Beweglichkeit und eine verminderte Belastbarkeit die Handfunktion beeinträchtigen. Handtherapie begleitet die Wiederaufnahme alltäglicher Tätigkeiten und berücksichtigt, welche Strukturen betroffen sind und wie weit die Heilung fortgeschritten ist.
- Nach einer distalen Radiusfraktur können eingeschränkte Bewegungen von Handgelenk und Unterarm sowie Schwellungen das Greifen, Drehen und Abstützen vorübergehend erschweren.
- Bei Sehnenverletzungen ist die Beweglichkeit der betroffenen Finger häufig reduziert; nach der operativen Versorgung muss die Rehabilitation an den Heilungsverlauf angepasst werden.
- Periphere Nervenverletzungen können Taubheitsgefühle, veränderte Wahrnehmung oder Kraftminderung auslösen und dadurch gezielte Bewegungen sowie den sicheren Umgang mit Gegenständen beeinträchtigen.
- Nach einer Karpaltunneloperation kann eine therapeutische Begleitung bei Beschwerden und funktionellen Einschränkungen helfen; das Karpaltunnelsyndrom betrifft ungefähr fünf Prozent der Erwachsenen (de Krom et al., Lancet, 1992).
- Nach einem Eingriff bei Morbus Dupuytren kann die Handfunktion zunächst eingeschränkt sein; die Erkrankung betrifft etwa drei bis sechs Prozent der nordeuropäischen Bevölkerung (Shih und Bayat, 2010).
Im Verlauf werden unter anderem Beweglichkeit, Sensibilität, Schwellung und die Ausführung konkreter Handgriffe betrachtet. Nach einer Operation an Sehnen oder Knochen bestimmt die ärztlich festgelegte Belastungsfreigabe, welche Aktivitäten und Übungen bereits infrage kommen; eine pauschale Steigerung ist nicht für alle Eingriffe passend. Bei Nervenverletzungen spielen zusätzlich veränderte Empfindungen und die Koordination der betroffenen Hand eine Rolle. Die Therapie orientiert sich deshalb an der jeweiligen Verletzung und daran, welche Tätigkeiten im Beruf oder Alltag wieder möglich werden sollen. Eine vollständige Wiederherstellung von Griffkraft oder Funktion lässt sich nicht für jeden Verlauf zusagen. Praktisch ist eine individuell abgestimmte Rehabilitation besonders hilfreich, wenn sie die betroffene Struktur, den Heilungsstand und konkrete Alltagsanforderungen gemeinsam berücksichtigt.
Rheumatische Erkrankungen der Hand
Rheumatische Erkrankungen können Gelenke und umliegende Strukturen der Hand dauerhaft beeinträchtigen. Bei rheumatoider Arthritis führen entzündliche Prozesse häufig zu Schmerzen, Schwellungen und Morgensteifigkeit; betroffen sein können etwa Fingergrund- und Fingermittelgelenke sowie das Handgelenk. Greifen, Knöpfen oder das Halten kleiner Gegenstände kann dadurch anstrengender werden. Die Deutsche Rheuma-Liga gibt für rheumatoide Arthritis in Deutschland eine Häufigkeit von etwa einem Prozent der Bevölkerung an. Ein wichtiges Ziel der Therapie ist, Gelenke bei alltäglichen Tätigkeiten möglichst zu schonen, ohne die vorhandene Beweglichkeit unnötig aufzugeben. Dazu gehört, Belastungen und Handgriffe so zu betrachten, dass entzündete oder empfindliche Gelenke nicht dauerhaft überbeansprucht werden. Orthesen können je nach Beschwerden und ärztlicher beziehungsweise therapeutischer Einschätzung stabilisieren oder entlasten. Ihre Passform und Tragedauer müssen zur betroffenen Hand und zur aktuellen Situation passen. Hilfsmittel können Tätigkeiten wie Öffnen, Greifen oder Anziehen erleichtern und den Kraftaufwand verringern. Welche Unterstützung geeignet ist, hängt davon ab, welche Gelenke betroffen sind und welche Aufgaben im Alltag besonders schwerfallen. Die Funktionsstärkung der Hand bedeutet bei einer entzündlichen Erkrankung nicht, Schmerz oder Belastungsgrenzen zu ignorieren: Bewegungsangebote und Belastung werden an den jeweiligen Zustand angepasst. Eine ganzheitliche Betrachtung bezieht deshalb Handfunktion, Gelenkschutz und konkrete Alltagsanforderungen ein.
Behandlungsmethoden in der Handtherapie
Die Behandlung richtet sich nach Beweglichkeit, Belastbarkeit und Sensibilität der betroffenen Hand. Zu den zentralen Methoden gehören individuell angepasste Schienen, gezieltes sensomotorisches Training und die Pflege beziehungsweise Mobilisierung von Narbengewebe. Welche Maßnahme passt, hängt unter anderem davon ab, ob ein Gelenk geschützt, eine Bewegung unterstützt oder die Wahrnehmung verbessert werden soll. In der Physiotherapie und Rehabilitation werden die Übungen und Hilfsmittel schrittweise an den Heilungsverlauf angepasst. Die folgende Übersicht erläutert Funktion, Anwendung und typische Einsatzbereiche.
Schienen und Orthesen
Schienen und Orthesen positionieren einzelne Finger, das Handgelenk oder die ganze Hand, um Heilung zu ermöglichen und Funktionen gezielt zu unterstützen. Statische Modelle halten ein Gelenk in einer festgelegten Stellung; dynamische Varianten wirken mit elastischen Elementen oder Federn und führen eine Bewegung kontrolliert mit. Die Auswahl richtet sich nach dem Gewebe, das geschützt oder mobilisiert werden soll, sowie nach dem aktuellen Heilungsstadium.
Nach Operationen oder Frakturen kann eine ruhende Schiene Bewegungen begrenzen, die eine Naht oder einen Knochen gefährden könnten. Bei steifen Gelenken oder Bewegungseinschränkungen kann eine dynamische Orthese einen dosierten Zug ausüben. Beide Varianten müssen so sitzen, dass sie die vorgesehene Position sichern, ohne unnötig Druck auf Haut und Weichteile auszuüben. Größe, Polsterung und Gelenkstellung werden deshalb individuell angepasst.
Die Tragedauer ist abhängig von Diagnose und ärztlichem Behandlungsplan: Sie kann sich auf bestimmte Ruhephasen beschränken oder über mehrere Wochen notwendig sein. Eine kurze praktische Empfehlung lautet, Tragezeiten und Hautkontrollen mit der behandelnden Fachperson abzustimmen und Veränderungen der Passform zeitnah anzusprechen.
Statikschienen (statische Schienen)
Eine statische Schiene hält Finger oder Handgelenk ohne bewegliche Zugkomponente in einer festgelegten Position. Sie wird vor allem eingesetzt, wenn ein Bereich vorübergehend ruhiggestellt oder geschützt werden muss.
- Nach einer Operation kann sie die Hand in einer vorgegebenen Stellung sichern; die Position richtet sich nach Eingriff und ärztlichem Nachbehandlungsplan.
- Bei einer Fraktur begrenzt sie Bewegungen, die den betroffenen Knochen belasten könnten; die Ruhigstellung dauert je nach Verletzung häufig mehrere Wochen.
- Eine passgenaue Anlage berücksichtigt Handform, Schwellung und empfindliche Druckstellen; Kanten und Polster werden so angepasst, dass die Schiene nicht einschneidet.
- Die Tragedauer wird individuell festgelegt: Manche Schienen werden dauerhaft, andere nur nachts oder während bestimmter Tätigkeiten getragen.
Nach Veränderungen der Schwellung kann eine zuvor passende Schiene zu locker oder zu eng sitzen. Die Passform wird daher bei den vereinbarten Therapieterminen überprüft und bei Bedarf verändert.
Dynamische Schienen (dynamische Orthesen)
Dynamische Orthesen geben über elastische Züge oder Federn eine kontrollierte Assistenzkraft ab. Sie sollen eine Bewegung unterstützen oder einen dosierten Zug auf ein steifes Gelenk ausüben, ohne die Hand vollständig ruhigzustellen.
- Bei Beweglichkeitsdefiziten kann ein leichter, anhaltender Zug die Beugung oder Streckung eines Fingers in kleinen Schritten unterstützen.
- Nach einer Sehnenrekonstruktion kann eine dynamische Konstruktion bestimmte Bewegungen führen; zulässige Bewegungsrichtung und Zugstärke richten sich nach dem Operationsplan.
- Die Fachperson passt Zugrichtung, Federkraft und Kontaktflächen an Gelenkstellung, Schwellung und Bewegungsziel an und prüft die Funktion während der Anwendung.
- Tragezeiten werden stufenweise festgelegt; Druckstellen, zunehmende Schwellung oder Taubheitsgefühle können auf eine ungünstige Passform oder zu hohe Belastung hinweisen.
Die Orthese sollte die geplante Bewegung unterstützen, nicht erzwingen. Regelmäßige Anpassungen sind besonders wichtig, wenn sich Beweglichkeit oder Umfang der Hand während der Rehabilitation verändern.
Sensomotorisches Training
Sensomotorisches Training verbindet Wahrnehmung und gezielte Bewegung. Nach Nervenverletzungen kann es helfen, Berührungsreize besser zu unterscheiden und Bewegungen genauer zu steuern; nach Sehnenverletzungen unterstützt es den schrittweisen Aufbau kontrollierter Greif- und Fingerbewegungen. Die Belastung wird an Heilungsphase und freigegebene Bewegungsrichtungen angepasst.
Zum Training können verschiedene Materialien und Aufgaben gehören:
- Bei der Tastdiskrimination ertasten Sie mit geschlossenen Augen Materialien wie Baumwolle, Filz oder raues Gewebe und benennen deren Oberflächenunterschiede.
- Beim gezielten Greifen nehmen Sie leichte Gegenstände wie Schaumstoffwürfel oder große Holzperlen auf und legen sie kontrolliert an einer markierten Stelle ab.
- Ein weicher Schwamm oder Therapieknete ermöglicht dosierte Greifübungen; Widerstand und Wiederholungszahl werden an die freigegebene Belastung angepasst.
- Beim Fingerfolge-Spiel berührt der Daumen nacheinander die Fingerspitzen; die Bewegung wird langsam ausgeführt und bei Bedarf visuell kontrolliert.
- Das Erkennen kleiner Gegenstände in einem Beutel schult den Tastsinn, sofern die Haut empfindliche Reize ohne Schmerzen toleriert.
Bei eingeschränkter Nervenwahrnehmung kann die Fachperson die Reizstärke zunächst deutlich spürbar, aber angenehm wählen und den Schwierigkeitsgrad schrittweise erhöhen. Nach einer Sehnenverletzung stehen dagegen kontrollierte Bewegungsabläufe innerhalb der erlaubten Grenzen im Vordergrund. Regelmäßiges, präzises Üben ist dabei wichtiger als hoher Widerstand.
Narbenbehandlung
Nach einer Operation oder Verletzung kann Narbengewebe die Hautverschieblichkeit beeinträchtigen und Bewegungen an Fingern oder Handgelenk erschweren. Die Behandlung beginnt erst, wenn die Wunde geschlossen ist; die Auswahl der Maßnahme richtet sich nach Narbenzustand, Hautverträglichkeit und Beweglichkeit.
- Silikongel wird dünn auf die geschlossene Narbe aufgetragen; Silikonauflagen können alternativ über längere tägliche Zeiträume verwendet und nach Herstellerangabe gereinigt werden.
- Druckbehandlung mit einer angepassten Auflage oder einem Kompressionsmaterial kann bei erhabenen Narben eingesetzt werden; Druck und Sitz müssen regelmäßig kontrolliert werden.
- Bei der manuellen Narbenmassage verschiebt die Fachperson das Gewebe mit kleinen kreisenden oder quer verlaufenden Bewegungen, sobald die Wundheilung dies zulässt.
- Sanfte Hautverschiebungen rund um die Narbe können in die Bewegungsübungen einbezogen werden, wenn sie keine deutliche Reizung oder anhaltende Rötung auslösen.
- Die Anwendung wird an Körperstelle und Narbenverlauf angepasst; bei zunehmender Empfindlichkeit, nässender Haut oder erneuter Wundöffnung wird die Methode unterbrochen.
Leitlinienorientiert kann die Narbenbehandlung über 6–12 Monate fortgeführt werden, da sich Narbengewebe über längere Zeit verändert. Silikon, Druck und manuelle Techniken werden je nach Befund einzeln oder kombiniert eingesetzt.
| Methode | Ziel | Typische Indikation |
|---|---|---|
| Statische Schiene | Ruhigstellung und Schutz einer festgelegten Gelenkstellung | Fraktur oder postoperative Sicherung |
| Dynamische Orthese | Kontrollierte Unterstützung einer Bewegung | Beweglichkeitsdefizit oder Sehnenrekonstruktion |
| Sensomotorisches Training | Verbesserung von Tastwahrnehmung und Bewegungskontrolle | Rehabilitation nach Nerven- oder Sehnenverletzung |
| Narbenbehandlung | Verbesserung von Gewebeverschieblichkeit und Hautverträglichkeit | Geschlossene Operations- oder Verletzungsnarbe |
Häufige Fragen zur Handtherapie
Hier finden Sie kurze Antworten zu Verordnung, Berufsqualifikation, Behandlungsdauer und ärztlicher Abklärung.
Wer überweist mich zur Handtherapie?
Eine Handtherapie wird von einem Kassenarzt verordnet, wenn die Behandlung medizinisch erforderlich ist. Dazu zählen zum Beispiel der Operateur, ein Orthopäde oder der Hausarzt; auch andere entsprechend zugelassene Ärzte können eine Heilmittelverordnung ausstellen. Für gesetzlich Versicherte wird dafür üblicherweise das Formular Muster 13 verwendet. Bei bestimmten postoperativen Verordnungen kommt Muster 18a infrage. Die Verordnung enthält unter anderem die Diagnose und das verordnete Heilmittel. Die behandelnde Praxis erläutert, welche Unterlagen zum ersten Termin benötigt werden.
Ist Handtherapie Ergotherapie oder Physiotherapie?
Handtherapie ist eine Spezialisierung innerhalb der Ergotherapie und der Physiotherapie, keine eigenständige dritte Berufsgruppe. Sie wird von Ergotherapeuten oder Physiotherapeuten durchgeführt, die eine entsprechende Zusatzausbildung absolviert haben. Dabei geht es um gezielte Maßnahmen zur Verbesserung von Beweglichkeit, Kraft und alltagsbezogener Handfunktion. Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Handtherapie (DAHTH) ist eine Fachorganisation, die sich mit Qualifizierung und fachlichem Austausch in diesem Gebiet befasst. Welche berufliche Grundausbildung die behandelnde Person hat, kann sich je nach Praxis unterscheiden.
Wie lange dauert eine Handtherapie nach einer Operation?
Nach einer Operation dauert die Behandlung häufig etwa 6 bis 16 Wochen, wobei der konkrete Verlauf individuell verschieden ist. Nach einem kleineren Eingriff kann eine kürzere Phase genügen, während komplexe Verletzungen, mehrere chirurgische Eingriffe oder ein langsamerer Heilungsverlauf eine längere Rehabilitation erfordern können. Auch die ärztlichen Vorgaben und die erreichten Fortschritte beeinflussen den Zeitraum. Die Behandlung wird in regelmäßigen Abständen überprüft und an den Heilungsverlauf angepasst. Eine feste Dauer lässt sich deshalb nicht allein anhand des Operationstermins bestimmen.
Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?
Suchen Sie ärztliche Abklärung, wenn Schmerzen an Hand oder Handgelenk anhalten, stärker werden oder nach einer Verletzung erneut zunehmen. Auch anhaltende Taubheit, eine deutliche Schwellung oder ein spürbarer Kraftverlust sollten ärztlich beurteilt werden, besonders wenn sich Finger schlechter bewegen lassen oder Gegenstände aus der Hand rutschen. Bei einer raschen Verschlechterung wenden Sie sich zeitnah an einen Arzt, statt den nächsten regulären Therapietermin abzuwarten. Eine Untersuchung kann klären, ob eine Anpassung der Behandlung oder eine weitere medizinische Maßnahme erforderlich ist.
Praktische Übersichtstabelle: Methode, Ziel und typische Indikation
Die passende Methode richtet sich nach dem Befund und dem angestrebten Funktionsgewinn. In der Handtherapie können stabilisierende, bewegungsunterstützende und aktiv übende Maßnahmen kombiniert werden. Die Tabelle ordnet häufige Methoden ihrem jeweiligen Ziel und typischen Indikationen zu. Sie bietet eine Orientierung, ersetzt aber keine individuelle Behandlungsplanung.
Praktische Übersichtstabelle: Methode, Ziel und typische Indikation
Die Methoden unterscheiden sich danach, ob sie die Hand ruhigstellen, Bewegung unterstützen oder Gewebe und Wahrnehmung gezielt bearbeiten. Welche Maßnahme eingesetzt wird, hängt unter anderem von Beweglichkeit, Schwellung und Belastbarkeit ab.
| Methode | Ziel | Typische Indikation |
|---|---|---|
| Statische Schiene | Ein Gelenk oder einen Abschnitt in einer festgelegten Position halten und entlasten | Schutz oder Ruhigstellung nach Verletzung oder Operation; Unterstützung bei schmerzhaften Gelenkstellungen |
| Dynamische Schiene | Bewegung mit elastischem Zug unterstützen und einen begrenzten Bewegungsumfang fördern | Bewegungsdefizit, etwa eine eingeschränkte Streckung nach Verletzung oder Operation |
| Sensomotorisches Training | Zusammenspiel von Wahrnehmung, gezielter Bewegung und Kraftdosierung üben | Koordinations- oder Wahrnehmungsdefizite nach Verletzung sowie Schwierigkeiten bei präzisen Greifbewegungen |
| Narbenbehandlung | Verschiebbarkeit des Narbengewebes und Beweglichkeit im betroffenen Bereich fördern | Verklebte oder gespannte Narbe nach einem Schnitt oder chirurgischen Eingriff an der Hand |
| Ödem-Management | Schwellung reduzieren und dadurch Beweglichkeit sowie Handfunktion unterstützen | Ödem nach Verletzung oder Operation, das Greifen und Bewegen erschwert |
Statische und dynamische Schienen verfolgen unterschiedliche Ziele: Die eine hält eine Position, die andere unterstützt Bewegung. Übungen im sensomotorischen Training werden an die konkrete Greif- oder Koordinationsaufgabe angepasst.
